Die Proliferationstherapie, kurz Prolotherapie (englisch prolotherapy), ist ein Injektionsverfahren bei Schmerzen des Bewegungsapparats. Dabei spritzen wir eine Glukoselösung mit einem örtlichen Betäubungsmittel gezielt an schmerzende Bänder, Sehnenansätze oder Gelenkkapseln. In unserer Praxis in Berlin-Prenzlauer Berg ist sie ein Baustein der Schmerztherapie, meist zusammen mit Krankengymnastik.
Die Prolotherapie wurde in den 1950er-Jahren in den USA von dem Chirurgen George S. Hackett beschrieben. Ihr Name kommt von Proliferation, der Vermehrung von Zellen. Gespritzt wird eine hochprozentige Glukoselösung (Traubenzucker), gemischt mit einem örtlichen Betäubungsmittel. Kortison ist nicht enthalten.
Die Lösung kommt nicht in einen Muskel oder in die Blutbahn, sondern genau an die Stellen, an denen Bänder und Sehnen am Knochen ansetzen, oder an die Gelenkkapsel. Dort soll sie einen kontrollierten Reiz setzen, auf den der Körper mit einem Reparaturvorgang antwortet.
Wir setzen die Prolotherapie zum Beispiel ein:
Ob sie in Ihrem Fall infrage kommt, klären wir nach einer Untersuchung. Eine Besserung lässt sich nicht im Voraus versprechen.
Bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats sind häufig Bänder und Sehnen überlastet. Es kommt zu kleinen entzündlichen Veränderungen, und die Strukturen halten das Gelenk oder den Wirbelsäulenabschnitt nicht mehr ausreichend stabil. Besonders oft betrifft das die Lendenwirbelsäule. Typisch sind Schmerzen im Liegen oder Sitzen, oft ein „Durchbrechgefühl“, und Schmerzen schon beim leichten Vorbeugen, etwa beim Zähneputzen. Dazu kommen wiederholte Blockierungen („Hexenschuss“). Strahlt der Schmerz ins Bein aus, muss nicht immer ein eingeklemmter Nerv dahinterstecken: Auch Bänder, Sehnen und Muskeln können einen solchen „Ischias“-artigen Schmerz fortleiten.
Die Injektion der Glukoselösung an die Ansätze der schmerzauslösenden Bänder, Sehnen oder Gelenkkapseln setzt dort einen Reiz. Der Körper soll darauf mit einem Reparaturvorgang antworten, bei dem neues Kollagen (Typ 1) gebildet wird. Das soll das Gewebe festigen, Schmerzen lindern und das Gelenk oder den Wirbelsäulenabschnitt stabilisieren.
Wie stark und wie lange eine Wirkung anhält, ist individuell verschieden.


Bei sachgerechter Injektionstechnik und Glukose als Lösung ist die Prolotherapie in der Regel gut verträglich. Häufig sind für 24 bis 48 Stunden nach jeder Behandlung stärkere Schmerzen, ein Spannungsgefühl oder eine leichte Schwellung an den Einstichstellen. Gelegentlich entsteht ein kleiner Bluterguss.
Wie bei jeder Injektion sind selten Infektionen, allergische Reaktionen auf das Betäubungsmittel oder Verletzungen von Nerven und Gefäßen möglich. Bei Injektionen am Brustkorb gehört sehr selten eine Verletzung des Rippenfells dazu. Über diese Risiken sprechen wir vor der ersten Behandlung ausführlich mit Ihnen.
Nicht oder nur nach Rücksprache behandeln wir bei:
Bitte bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können den gewünschten Reiz abschwächen. Ob Sie sie rund um die Behandlung meiden sollten und was Sie stattdessen nehmen können, besprechen wir mit Ihnen.
Die Studienlage ist uneinheitlich. Bei Kniearthrose berichtet eine randomisierte Studie über weniger Schmerzen und eine bessere Funktion nach Glukose-Injektionen als nach Kochsalz-Injektionen oder Übungen zu Hause (Rabago und Kollegen, 2013). Für chronische Rückenschmerzen kommt eine Cochrane-Übersicht zu dem Ergebnis, dass die Prolotherapie allein keinen klaren Nutzen zeigt, zusammen mit Übungen und anderen Maßnahmen aber Schmerzen und Einschränkungen verringern kann (Dagenais und Kollegen, 2007).
Wir setzen die Prolotherapie deshalb nicht als alleinige Behandlung ein, sondern zusammen mit Krankengymnastik, und entscheiden nach der Untersuchung, ob sie für Sie infrage kommt.
Quellen (englisch): Rabago D. et al., Dextrose prolotherapy for knee osteoarthritis, Ann Fam Med 2013; Dagenais S. et al., Prolotherapy injections for chronic low-back pain, Cochrane Database Syst Rev 2007
Die Prolotherapie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Wir rechnen sie nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Ob und in welchem Umfang eine private Krankenversicherung oder die Beihilfe die Kosten übernimmt, hängt von Ihrem Tarif ab. Die voraussichtlichen Kosten der Behandlungsserie nennen wir Ihnen vor Beginn.
Der Einstich ist durch sehr dünne Kanülen und die örtliche Betäubung in der Regel gut auszuhalten. In den 24 bis 48 Stunden danach sind stärkere Schmerzen an den behandelten Stellen häufig. Sie klingen von selbst wieder ab.
Eine hochprozentige Glukoselösung (Traubenzucker), gemischt mit einem örtlichen Betäubungsmittel. Kortison ist nicht enthalten.
In der Regel 6 Behandlungen im Abstand von 1 Woche bis höchstens 6 Wochen. Wie viele es in Ihrem Fall sind, hängt vom Befund und vom Verlauf ab.
Der Körper baut das Gewebe über Wochen um. Eine mögliche Besserung zeigt sich deshalb meist erst im Lauf der Behandlungsserie und nicht direkt nach der ersten Injektion. Wie stark und wie lange sie anhält, ist individuell verschieden. Versprechen lässt sie sich nicht.
Alltägliche Tätigkeiten sind meist direkt danach möglich. Starke Belastungen und Sport, die die behandelte Stelle beanspruchen, sollten Sie in den ersten Tagen meiden. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen wir mit Ihnen.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Prolotherapie nicht. Private Krankenversicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif ganz, teilweise oder gar nicht. Wir rechnen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab und nennen Ihnen die Kosten vorher.
In der orthopädischen Praxis Dr. Homssi (Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie) in der Greifswalder Straße 137-138 in Berlin-Prenzlauer Berg, erreichbar mit der Tram M4 und der S-Bahn bis Greifswalder Straße. Untersuchung und Injektionen erfolgen ärztlich.
Sie möchten wissen, ob eine Prolotherapie für Ihre Beschwerden infrage kommt? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder rufen Sie an: 030 44 33 99 33.